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18 Otto-Pankok-Schüler fragten Mülheimer nach ihrem ganz eigenen Blick auf den Mauerfall am 9. November 1989 und waren damit beim Geschichtswettbewerb History Award 2009 sehr erfolgreich.

Dass ein Schulleiter und seine Stellvertreterin zusammen mit dem Schuldezernenten, dem Leiter des Stadtarchivs und der Bürgermeisterin gemeinsam zur Schule gehen, um Schülern vor der versammelten Lokalpresse für ihre exzellente Leistung zu danken, kommt selten vor. Gestern war es so weit. Das Lob von Amts wegen hatten sich 18 Otto-Pankok-Schüler aus der zwölften Jahrgangsstufe mit ihrem Wettbewerbsbeitrag für den History Award 2009 verdient.

In einer sehr professionellen Powerpointpräsentation mit Interviews und Infografiken beleuchteten die Schüler die Frage, wie man den Mauerfall vom 9. November 1989 in Mülheim erlebt hat. Mit diesem Multimedia-Zeitzeugnis erreichten die Otto-Pankok-Schüler bei dem Bundes-Geschichtswettbewerb, der, initiiert vom Fernsehsender History, Channel  unter der Schirmherrschaft des ehemaligen Bundesaußenministers Hans-Dietrich Genscher steht und von Focus Schule Online sowie PM History unterstützt wird, einen hervorragenden vierten Platz unter mehr als 100 Wettbewerbsteilnehmern. Ironie der Geschichte: Wegen eines Klausurtermins können die Zwölftklässler am 28. Mai nicht zur Siegerehrung nach München reisen.

 

„Da stecken viele Wochenenden und Abendstunden drin”, lobt Lehrer Hans Werner Nierhaus den weit über den normalen Geschichtsunterricht hinaus gehenden Arbeitseinsatz seiner Schüler. Am Anfang der gut zweimonatigen Projektarbeit stand die Zeitungslektüre im Stadtarchiv. Doch weil sich in den Lokalausgaben keine einzige Zeile über örtliche Reaktionen auf den Mauerfall fanden, ging man auf die Straße und fragte 150 Mülheimer zwischen Mitte 30 und Anfang 80, wie sie das historische Ereignis erlebt haben und heute bewerten. Außerdem wurden Einzelgespräche, etwa mit Otto-Pankok-Schulleiter Karl Heinz Werneburg, mit der SPD-Landtagsabgeordneten Hannelore Kraft oder Mannesmann-Personalchef Ulrich Scholten, geführt.

 

„Es ging uns darum, die individuelle Wahrnehmung von Zeitgeschichte darzustellen”, beschreibt Julia Jeske den Arbeitsansatz. Ihre Mitschülerin Melina Lange wundert sich vor allem darüber, wie viele Menschen mit dem 9. November 1989 gar nichts verbinden können. Ihrer Mitschülerin Daria Lubos ist vor allem der Umstand im Gedächtnis geblieben, dass die Jüngeren Mauerfall und Wiedervereinigung wesentlich positiver sehen als die Älteren. Insgesamt überwog aber der Tenor, dass die Einheit trotz ökonomischer Probleme „uns menschlich vorangebracht hat.” „Das ist ein ganz anderes Arbeiten. Wenn man im Geschichtsunterricht etwas über die DDR und den Mauerfall hört, ist das nichts Neues. Aber wenn man sich mit den Menschen darüber unterhalten hat, hat man plötzlich begriffen, welches Unterdrückungsgefühl mit der Mauer verbunden war und welches Freiheitsgefühl ihr Fall ausgelöst hat”, bilanziert Gunnar Oberhösel die Projektarbeit. Auch Mitschüler Joel Behrend glaubt: „Das hat unseren Blickwinkel auf die historischen Ereignisse erweitert.” Schüler Florian Oswald beeindruckte unter anderem der Bericht des Deutschlehrers Klaus Holtkamp über die beklemmenden Kontrollen und Verhörmethoden der DDR-Grenzer.

Das History-Projekt begeistert Schuldezernent Peter Vermeulen vor allem deshalb, weil alle beteiligten Schüler erst vor 18 Jahren und damit nach der Wiedervereinigung geboren wurden.

Mauerfall: Ein eigener Rückblick

Herbst 1989. Das war die Zeit, in der man die Nachrichten nie verpassen wollte. Als Studenten diskutierten wir jeden Tag die neuesten Entwicklungen in der DDR. In Büchern lasen wir, dass die Einheit nicht auf der Tagesordnung der Geschichte stehe. Die friedliche Revolution, die sich vor unser aller Fernsehzuschaueraugen in der DDR vollzog, machte das gedruckte Gelehrtenwort zum Altpapier. Oft wurde gefragt: Kann diese Umwälzung friedlich bleiben oder endet sie im Blutbad? Noch heute spüre ich die Gänsehaut, die der Jubel der DDR-Bürger auslöste, denen der damalige Bundesaußenminister Genscher im Prager Botschaftsgarten ihre Ausreise in die Bundesrepublik verkündete. Über Wiedervereinigung sprachen damals die Wenigsten. Doch dann sah man via TV immer öfter, dass die Demonstranten in der DDR nicht mehr nur „Wir sind das Volk”, sondern: „Wir sind ein Volk” riefen. Erstaunt und überwältigt war ich, als sich am 9. November 1989 der Mauerfall über Nacht vollzog, nachdem bei einer Pressekonferenz ganz unspektakulär und erst auf Nachfrage erklärt wurde, dass die Reisefreiheit für DDR-Bürger unverzüglich in Kraft trete. T.E.

Das Projekt: Die Ergebnisse

Die Powerpointpräsentation der Otto-Pankok-Schüler für den History Award 2009 findet sich im Internet unter: www.focus.de.

Die Schüler fanden unter anderem heraus, dass über 70 Prozent der Befragten den 9. November 1989 mit dem Mauerfall verbinden, während 20 Prozent dieses Ereignis keinem Datum zuordnen konnten. Fünf Prozent verbinden Freude und Begeisterung mit dem Mauerfall. 56 Prozent hatten 1989 persönliche Kontakte mit DDR-Bürgern. 54 Prozent kannten die DDR bereits vor dem Mauerfall aus eigener Anschauung. Rund 90 Prozent der Befragten erlebten den Mauerfall aus der Perspektive des Fernsehzuschauers.

Über 80 Prozent beurteilen den Mauerfall rückblickend als positiv. 54 Prozent glauben, dass sich für das Ruhrgebiet nach dem Mauerfall nichts geändert hat. Nur 32 Prozent sagen, dass sich ihr Leben nach dem Mauerfall verändert hat. 69 Prozent beurteilen den Solidaritätszuschlag für die ostdeutschen Bundesländer negativ. Nur 17 Prozent können dieser Abgabe Vorteile abgewinnen. Sechs Prozent stehen dem Solidaritätszuschlag neutral gegenüber. T.E.

NRZ, 25.05.09 (Thomas Emons)
 
http://www.derwesten.de/nachrichten/staedte/muelheim/2009/5/25/news-120872412/detail.html
 
 
Weitere Links zum Thema:
http://www.focus.de/schule/lehrerzimmer/wettbewerbe/history-award_2009
http://www.focus.de/schule/lehrerzimmer/wettbewerbe/history-award_2009/muelheim-wie-in-muelheim-die-mauer-fiel_aid_395871.html