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Die traurige Nachricht lässt mich zurückdenken. OP, mein Gott, wie lange ist das jetzt schon her. Abi 2003 -  sieben Jahre im “richtigen” Leben. Abiturient, der endlose Sommer ‘03, dann immer schneller, Funker, Obergefreiter, Student, Erasmus-Student, Bachelor, Banker, Finanzkrise, Master und schon wieder Banker. November Zweitausendund-zehn? Was, jetzt schon sieben Jahre? In diesem Moment muss ich mich an meine Schulzeit erinnern, an die Lehrer, die mich mit ihrem Stil und ihrer Persönlichkeit geprägt haben, in der Schule und darüber hinaus.

Günter Jarmer steht dabei besonders hervor. Na gut, ich hatte ja auch vier Jahre das Vergnügen, als Absolvent des Bio/Chemie-Diff-Kurses hatte ich in der neunten Klasse vier oder fünf Stunden Unterricht bei ihm, und auch danach “hielten wir uns die Treue” in der Oberstufe. Sein Einfluss musste daher schon allein quantitativ betrachtet erheblich sein!

 

Aber da war mehr als nur das.

 

Günter Jarmer hat mir viel beigebracht, manches aus dem Textbuch, und sehr vieles über das Leben. Seine energische Art war, als wir zum ersten Mal in den NT kamen, quasi unerhört! Ja, das Wort “Bringschuld” habe ich zum ersten Mal in seiner Klasse gehört. Aber auch ein “gut gemacht” (oder, auf gut Rheinisch: “jut jemacht”), nachdem ich an der Tafel zehn Minuten lang geschwitzt und Euglenae, Chromosomen und Amöben identifiziert oder Human Immunodeficiency Virus richtig ausgesprochen hatte.

Herr Jarmer hat mir beigebracht, immer mein Bestes zu geben, auch wenn der Erfolg ungewiss war. Er unterrichtete nicht nur Biologie (auf allerfeinstem Niveau), sondern vermittelte auch Zielstrebigkeit, Rückgrat und Charakterstärke, um nur mal drei der Dinge zu nennen, die sein Unterricht neben Mikroskopie und gelegentlicher Nachhilfe in Englisch noch anzubieten hatte.

Eigentlich bemerkten wir erst gegen Ende der Zwölf, was wir alles bei ihm gelernt hatten, als er krankheitsbedingt nicht mehr arbeiten konnte. Nur einmal habe ich ihn noch kurz gesehen, bei einer der Weihnachtsfeiern in der Schule, als ich schon ein “Altschüler” war. Ins Gespräch gekommen sind wir dabei leider nicht.

Euglenae musste ich seit dem Abi nicht mehr beschreiben, Speichelproben gebe ich nur noch im Notfall, Aspirin kaufe ich schon lange wieder in der Apotheke, meine Mutter kriegt keine selbstgemachte Tagescreme mehr von mir. Sogar deficiency kann ich mittlerweile fehlerfrei aussprechen.

Aber die Zielorientiertheit und Ausprägung des Charakters, die Herr Jarmer mir so ganz nebenbei vermittelt hat, die helfen mir bis auf den heutigen Tag.

Mit Günter Jarmer verliert die Otto-Pankok-Schule nicht nur einen sehr engagierten Lehrer, sondern auch einen besonderen Menschen, der mich geprägt hat wie kaum ein anderer. Ein grosses Vorbild, das war er für mich.

 

Und das hätte ich ihm gerne mal persönlich gesagt.

 

Von Michael Kohlhaas, ABI 2003