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Otto-Pankok-Schüler gestalten die Feierstunde am 9. November 2008 zur Reichspogromnacht in der Volkshochschule mit. Dazu erschien folgender Artikel in der Mülheimer NRZ am 25.10.2008:

25.10.2008 / Lokalausgabe / von Thomas Emons

Otto-Pankok-Schüler recherchierten im Stadtarchiv zu Biographien aus der Nazizeit.

Dass im Stadtarchiv Urkunden lagern, die zum Teil noch aus dem 13. Jahrhundert stammen, beeindruckt viele der 29 Otto-Pankok-Schüler, die an diesem Freitagvormittag hier recherchieren. „So viele Informationen. Die gibt es im Internet gar nicht”, staunen Sabrina Fernandes und Sara Klingenspohr angesichts der zahlreichen Bücher, Akten, Zeitungsausschnittsammlungen und Fotos, die Archivar Jens Roepstorff für sie und ihre Klassenkameraden aus der 9d herausgesucht hat.„Habt ihr Lust?”, hatte Geschichtslehrer Hans-Werner Nierhaus gefragt, nachdem die Bitte an ihn herangetragen worden war, ob seine Schüler nicht an einer Gedenkveranstaltung mitwirken wollten, die am 9. November in der VHS an die dann genau 70 Jahre zurückliegende Reichspogromnacht erinnern wird. Seine Schüler hatten Lust und recherchierten jetzt acht Biografien von Menschen, die dieses Ereignis als Täter, Opfer oder Zeitzeuge miterlebt haben. Sara und Sabrina beschäftigen sich an diesem Vormittag mit einem Schulkollegen aus jener Zeit, Günther Smend. Dass er ein guter Sportler war, fanden sie ebenso heraus, wie die Tatsache, dass er später als Offizier zum militärischen Widerstand gehörte und deshalb hingerichtet wurde. „Dass ein Schüler unserer Schule sich gegen Hitler stellte, obwohl die meisten für ihn waren”, finden die beiden bewundernswert. Mit einen abschreckenden Beispiel haben es dagegen Charlotte Voigt, Linn Sommerhoff, Sebastian Pios und Peter Hawes zu tun. Sie studieren die Personalakte des Brandmeisters Alfred Freter. Als Chef der Mülheimer Feuerwehr missachtete er den Löschbefehl, ließ die Synagoge vorsätzlich abbrennen und achtete nur darauf, dass das Feuer nicht auf die Nachbarhäuser übergriff. Für die Schüler ist das „einfach unvorstellbar”. In seiner Personalakte lesen sie, dass Freter erst 1959 „wegen Fluchtgefahr” verhaftet und vor Gericht gestellt wurde. „Wir wollen das schon gut rüberbringen, damit die Leute verstehen, was damals los war. Viele werden den Mann gar nicht kennen”, sagt Linn Sommerhoff. Ihre Mitschülerin Charlotte findet es vor allem spannend „nicht nur in Büchern, sondern in historischen Dokumenten nachzulesen, wie die Menschen damals gedacht haben.”„So lange ist das alles ja noch nicht her”, stellt Tugce Gezici fest. Und ihr Klassenkamerad Felix Schäfer findet: „Das Thema ist angesichts von Neonazis immer noch relevant.” Mit Julian Laufs und Maren Lösch-Schlons vollziehen sie anhand einer Zeitungsauschnittssammlung das Schicksal des ehemaligen Otto-Pankok-Schulleiters Joseph Brüggemann nach. Der wurde am damaligen staatlichen Gymnasium entlassen, weil er sich weigerte, NSDAP-Mitglied zu werden. Ein Freund des Kreisparteileiters bekam seinen Job.