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Herr Stockem war erkennbar angerührt von dem, was er gerade erlebt hatte: „Es kommt wohl sehr selten vor, dass ein Schüler seiner Schule ein Konzert schenkt“. Und dazu ein solches, möchte man hinzufügen.

Aris Alexander Blettenberg (13. Jg.) gab am 14. Dezember 2012 zusammen mit seiner Lehrerin Lucie Samson in unserem Forum einen Klavierabend „vom feinsten“. Es erklangen Kompositionen von Bungert, Schubert, Schumann und Schmitt, allesamt für Klavier zu 4 Händen, wie der Titel des Konzertes „À quatre mains“ schon angekündigt hatte.

Über die pianistischen Qualitäten des Duos zu sprechen, hieße, die berühmten Eulen nach Athen zu tragen. Perfekte Abstimmung, hohe Musikalität und eine ausgereifte Technik zeichneten die Vorträge aus. Den Zuhörern mit feinerem Gehör wurde allerdings schmerzlich bewusst, dass unser Flügel, der erst am Tag zuvor frisch gestimmt worden war, nach 35 Jahren im Schulbetrieb doch einmal einer gründlichen Rundum-Betreuung bedarf.

Die beiden Pianisten ließen sich von klanglichen Trübungen in ihrer Spielfreude nicht beeinträchtigen und boten einen rundum begeisternden Abend. Dies lag nicht zuletzt an dem  klug ausgewählten Programm. „Eines der zentralen Werke der Literatur“ (O-Ton Aris), die Fantasie f-moll D. 940 von Franz Schubert, bildete den tiefgründigen Eckpunkt, Florent Schmitts „Reflets d'Allemagne“ op. 28, die wohl, wie auch der Komponist selbst, nur Fachleuten bekannt sind, bildeten den ironisch-unterhaltsamen Schluss des Programms. So farbig und musikalisch nuanciert, aber teilweise auch aus der Sicht eines Elsässers ironisch persifliert hat man Lübeck, Dresden, München und weitere deutsche Städte wohl selten präsentiert bekommen.

Dass zu Beginn des Konzertes mit dem „Deutschen Reigen“ op. 16 ein Werk des Mülheimer Komponisten August Bungert gespielt wurde, war einerseits sicherlich eine Referenz an unsere Stadt, zum anderen aber ein Hinweis auf ein „Bungert“-Projekt, das Aris demnächst im Rahmen seiner Abiturprüfung als sog. „besondere Lernleistung“ präsentieren wird.

Bleiben noch die immer wieder gern gespielten und gehörten „Bilder aus Osten“ op. 66 von Robert Schumann, mit denen der zweite Konzertteil eröffnet wurde. Diese hochromantische Musik wurde sowohl in den Tempi als auch in der Dynamik stark ausgeformt dargeboten. Die zupackenden 20-fingrigen Akkorde ließen mehr als einmal deutlich den Sinfoniker Schumann durchscheinen und das Instrument – leider - teilweise an seine Grenzen stoßen. Als Zugabe nach minutenlangen „standing ovations“ und Blumen für Lucie Samson gab es eine „Berceuse“ Florent Schmitts, ein wunderbar leichtes und duftiges Stück, welches die Zuhörer gelöst und mit sich und der Welt im Reinen den Heimweg antreten ließ.

Bleibt nur, dem bereits arrivierten Pianisten und Dirigenten Aris Blettenberg, von dem wir sicherlich noch hören werden, für seinen weiteren Weg schon jetzt alles Gute zu wünschen, auch wenn wir ihn vorher noch einige Male in unserer Schule erleben dürfen. Er wird an der Münchener Musikhochschule studieren und in der bayerischen Landeshauptstadt die „Mülheimer Fraktion“ verstärken, denn in den drei großen Münchener Orchestern spielen zur Zeit einige Musiker aus Mülheim, darunter auch ein ehemaliger Otto-Pankok-Schüler.

Sicherlich war es auch ein überzeugender Sympathiebeweis für Aris, dass einige Schülerinnen aus seiner Jahrgangsstufe es übernommen hatten, die Zuhörer in der Pause mit Getränken zu bedienen. Sie mögen ihn und er mag allem Anschein nach auch seinen Jahrgang. Zum Schluss soll noch erwähnt werden, dass Aris den nicht geringen Spendenbetrag, der nach dem Konzert gesammelt wurde, der Musik-Fachschaft zur Verfügung stellt.

Ein herzliches „Danke schön!“ an Aris, Lucie Samson und die Schülerinnen des 13. Jahrgangs.

Frohe Weihnachten!

Ulrich Jung