Pressespiegel

WAZ-Serie: So macht Schule Spaß : Wie die Musketiere

Mülheim, 13.05.2010, Monique de Cleur

Musketiere

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mülheim an der Ruhr. Vormittags dürfen noch nicht einmal die Fäuste fliegen, nachmittags gehen die Schüler der Otto-Pankok-Schule sogar mit Waffen aufeinander los. Einmal in der Woche steht Säbelfechten auf dem AG-Plan.

 

Unter Anleitung von Knut Oetter, Vizepräsident Sport des Rheinischen Fechterbundes und Vorsitzender des Mülheimer Fechtsportvereins, wird gestochen, gestoßen und pariert. Was so martialisch anmutet, ist ein Sport, bei dem die Kinder vieles lernen – eines aber ganz bestimmt nicht: allein auf weiter Planche einfach draufzuhauen.

Auf dem Handy daddeln, während ein anderer Fechter gerade einen Wettkampf bestreitet? Aber nicht mit Oetter, den alle nur Knut nennen. „Das ist wie bei den Musketieren: Einer für alle.“ Diesen Grundgedanken lernen die Fünft- bis Siebtklässler bei ihm. Wenn sie zum ersten Mal einen Säbel in die Hand nehmen, sind sie noch Einzelkämpfer: „Das dauert Monate, bis ich die zusammen auf der Bank sitzen habe.“ Mannschaftsgeist ist nicht das einzige, was der Sport ihnen antrainiert.

„Hier kommen Mütter mit ihrem Sohn hin und sagen: Der Arzt hat gesagt, der soll zum Fechten gehen, da lernt er laufen“, erzählt Oetter. Was klingt wie ein Witz, meint er durchaus ernst: „Das ist heute nicht mehr selbstverständlich. Wenn Sie heute zehn Kindern sagen, geh rechts rum, dann gehen zwei rechts rum – und acht links.“

Nach einer Weile in Oetters AG klappt es mit der Koordination, Koordination und Teamgeist sind keine Fremdworte mehr. Der Trainer packt seine Schützlinge außerdem beim Ehrgeiz: „Vielen ist das zu anstrengend. Es ist gut, wenn sie anfangen, sich zu ärgern.“ Denn dann beißen sie sich durch – und der Erfolg stellt sich ein. Auf Lydia Ostermann, in der fünften Klasse und seit Anfang des Schuljahres dabei, ist der Funke schon übergesprungen: „Man muss schnell reagieren, und das ist gegen die richtig Guten schwierig.“ Trotzdem, oder gerade deswegen, reizt sie das Fechten: „Das ist mal was anderes als die anderen Sportarten.“

Sagt’s und zieht sich die Maske wieder vors Gesicht. Diesmal geht es gegen Oetter: Vorwärts, Ausfallschritt, Angriff, Parade. Pling. Nochmal. Pling! Oberkörper, Arme und Kopf zählen als Treffer. Die Waffen sind zwar stumpf, doch am Anfang ist es schon gewöhnungsbedürftig, wenn ein Säbel auf die eigenen Augen zielt. „Manche sind schreckhafter und zucken am Anfang sehr“, gibt Lydia mit glühenden Wangen und strahlenden Augen zwischen zwei Übungseinheiten zu. Verletzungsgefahr besteht nicht, auch wenn die Augen etwas anderes sehen: „Durch die Maske durchzustechen ist unmöglich“, versichert Oetter, der selbst seit 57 Jahren den Säbel führt.

Seit sechs, sieben Jahren leiter er die AG schon. Im Gegenzug darf der Mülheimer Fechtsportverein die Sporthalle der Schule für seine Trainings nutzen. Die Begeisterung von Oetters Schützlingen für den Sport ist mehr als nur ein Strohfeuer: „’Ne Menge Leute von der Fecht-AG haben sich hier schon angemeldet“, freut sich der Trainer. Ab 2011 wird es Schulturniere im Säbelfechten geben. Einige Otto-Pankok-Schüler werden bestimmt daran teilnehmen. Dann können sie zeigen, was sie unter Oetter gelernt haben.