Pressespiegel

 

DerWesten2Sep2010

 

Für das traditionsreiche Otto-Pankok-Gymnasium beginnt ein neues Kapitel. Nach 22 Jahren wechselte der Schulleiter: Ulrich Stockem übernimmt den Job in einer kritischen Phase. Er möchte und muss eine Menge bewegen.

 

Stockem, der zum Schuljahresbeginn den langjährigen Leiter Karl-Heinz Werneburg ablöste, ist keine Nachwuchskraft, sondern ein gestandener Lehrer von 55 Jahren, der noch einmal die Herausforderung sucht und selbstbewusst sagt: „Vielleicht ist es für die Schule ganz gut, dass kein Frischling kommt, sondern jemand, der schon Erfahrung mit Schulentwicklung hat.“

 

Denn die ist am OP bitter nötig: Das Gymnasium, das zu seinen Glanzzeiten vor etwa 25 Jahren an die 1500 Schüler/innen hatte, wird nur noch von 800 Mädchen und Jungen besucht. Besonders bedenklich sind die Anmeldezahlen: Diesmal starten an der Von-Bock-Straße kaum mehr als 60 Sextaner, erstmals konnten nur noch zwei Eingangsklassen gebildet werden. „Der Träger erwartet jedoch Dreizügigkeit“, weiß Ulrich Stockem. Diese zu sichern, ist eines der Ziele, die er sich für die nächsten Jahre gesetzt hat.

 

Allmorgendlich kommt er mit der Bahn von Gladbeck, wo er wohnt, nach Mülheim an seine neue Wirkungsstätte. Und hier möchte Stockem nicht nur mitarbeiten: Er möchte führen. Das sagt er ganz klar und hat bereits einen Zehn-Jahres-Plan angestoßen, der unter dem Projektnamen „OP 2020“ läuft (im selben Jahr geht Stockem voraussichtlich in den Ruhestand). „Von einer Lehr- zur Lernkultur“ soll der Weg führen. Ulrich Stockem stellt eine veränderte Unterrichtskultur in Aussicht („aktivierend statt frontal“) und ein gemeinsames ethisches Fundament. „Langfristig.“ Doch die Zeit drängt, und Neuzugänge gewinnt man nur mit schnell wirksamen, greifbaren Veränderungen: „Wir müssen der Bevölkerung klar machen: Was ist unser Profil? Welche Dienstleistungen bieten wir an?“

 

Zugleich will das Otto-Pankok sein Angebot erweitern. Etwa im Bereich der Fremdsprachen. „Bisher“, sagt der Schulleiter, „bieten wir nur Englisch, Latein und Französisch an. Das hat uns viele Schüler gekostet.“ Nach den nächsten Sommerferien soll es zusätzlich Spanischunterricht geben. Die Musikerziehung möchte man ausbauen: „Denn im musisch-künstlerischen Bereich sind wir richtig gut aufgestellt.“

 

Und schließlich setzt Stockem auf etwas, das er als „Alleinstellungsmerkmal“ ausbauen möchte: „Bislang gibt es kein Gymnasium in Mülheim, das dezidiert in Richtung Ökonomie aufgestellt ist. Doch viele Schüler wünschen das.“ Wirtschaft und Politik als Wahlpflichtfach gibt es bereits am OP, der Leistungskurs Sowi laufe mit wirtschaftlichem Schwerpunkt. Der Plan ist: Kontakte zu Unternehmen auf- bzw. auszubauen und den Ökonomieunterricht zu erweitern, eventuell mit wissenschaftlicher Begleitung durch Experten der Universität Duisburg-Essen.

 

Zur Uni Kiel pflegt Ulrich Stockem schon jetzt eine enge Verbindung: Der OP-Leiter studiert nämlich neben dem Job: vier Semester Schulmanagement und Qualitätsentwicklung, an den Wochenenden, aus der Ferne. Ende 2010 will er mit dem Master-Titel abschließen. In seiner knappen Freizeit betreibt er Taijiquam, dreimal die Woche. Er ahnt: „Ohne diesen Ausgleich würde ich mein berufliches Programm nicht schaffen.“