Aktuelle Projekte

Schoenheitswahn Acrylfarbe Papier Kleister Kopien Draht Luftpolsterfolie Raffelbergpark

Dieses Unterrichtsbeispiel zeigt, wie Schülerinnen und Schüler bei Bau von sehr großformatigen Skulpturen für den Außenraum vorgehen können.

 

 

 

 

 

 

21 Schülerinnen und Schüler eines Kunstkurses der Jahrgangstufe 11 unserer Schule gestalteten verschiedene Skulpturen im örtlichen Raffelbergpark, die dort einige Sommermonate lang ausgestellt waren.

Der Unterricht fand im Rahmen des vom Kunstmuseum Mühlheim an der Ruhr initiierten stadtumfassenden Kulturprojekts „An Ort und Stelle“ statt.

 

Der Park – Sehen und Planen

Zunächst sammelten die Schülerinnen und Schüler Informationen über die Geschichte des Ausstellungsorts: Was war der urspüngliche Zweck des Parks und wer zeigte sich für seine Gestaltung verantwortlich? Diese und weitere Recherchen zum Raffelbergpark dienten der inhaltlichen Auseinandersetzung - als Ausgangspunkt für die Ideenfindung der Schüler. Bei einer gemeinsamen Begehung entdeckten die Schülerinnen und Schüler interessante Plätze, Nischen und Ecken. Auffälliger schien ihnen die optische Zweiteilung des Parks: Im vorderen Teil ist ergeometrisch als Barock-Park angelegt und im hinteren Bereich im Stile englischer Landschaftsgärten gestaltet.

Die Aufgabe für das künstlerische Projekt lautete folgendermaßen: Wie lässt sich die Wahrnehmung des Besuchers verändern, wie lassen sich Besonderheiten fokussieren?

Die Geschichte des Parks hatte die Lernenden weniger beeindruckt als das Erlebnis, sich in der Natur zu befinden und sich mit dem Phänomen und dem Begriff der „Natur“ auseinanderzusetzen. Daher wurde thematisch das Verhältnis von Mensch und Natur festgelegt. Die Gefahr von Umweltzerstörung und Krankheit rückte in den Blick und erschien als Idee vielgegenwärtiger als der in der Parklandschaft zunächst aufscheinende Aspekt der Erholung und Genesung.

Gestalterisch war allen Ideen gemein, dass die Symmetrie und Ordnung des Parks aufgebrochen werden sollte, um den Betrachter auf weniger friedvolle Orte und Phänomene aufmerksam zumachen.

In fünf Kleingruppen entwickelten die Schülerinnen und Schüler Objekte für den Park, zunächst in ersten Ideenskizzen, später in Modellform.

Wichtig für die gedankliche Vorarbeit war es, die Geschichte und die besonderen Gestaltungsmerkmale des Parks aber auch eigene Erfahrungen und Assoziationen miteinzubeziehen.

Bienenstock 2011 Acrylfarbe Papier Kleister Draht Muelheim a.d. Ruhr Raffelbergpark 1a.jpgBienenstock 2011 Acrylfarbe Papier Kleister Draht Muelheim a.d. Ruhr Raffelbergpark 1b.jpg

Skulptur im Außenraum

Um sich dem Thema „Skulptur/Plastik im Außenraum“ – vor allem in Parklandschaften inhaltlich anzunähern, betrachteten wir in mehreren Unterrichtssequenzen exemplarisch ausgewählte Kunstwerke, z.B. PermanentLightning von  Thomas Stricker im Grevenbroicher Stadtpark (Abb. s. http://www.nrw-skulptur.de/file- upload/Bilder/db/Grevenbroich-Permanent-Lightning/f_05_Stricker_Pietrek.jpg), das einen in dieser Form niemals sichtbaren Blitzeinschlag skulptural visualisiert. Hier wird ein natürliches Phänomen als Skulptur gestaltet und durch die Verortung erneut Teil der Natur. Die Schülerinnen und Schüler waren von die Schönheit und Bedrohlichkeit des Objektes gleichermaßen beeindruckt.

 

Bienenstock, Atomkraftwerk und Schönheitswahn

Als Material für die Schülerprojekte wurde Pappmaché auf einem Drahtgerüst gewählt, da für die temporäre Ausstellung dieser Plastiken nur eine begrenzte Witterungsbeständigkeit notwendig ist (Abb.1a).

Neu für die Schülerwaren die erforderlichen Konstruktionsbauten zum Aufbau eines großen Volumens.Zunächst wurde, den Konstruktionsskizzen entsprechend, die Form aus Maschendraht geformt.

Anschließend wurde das Pappmaché in mehreren Schichten aufgetragen und abschließend mit Acrylfarbe bemalt. Das Objekt Bienenstock (Abb.1a und b) verweist auf ein überdimensioniertes Nest von Bienen. In der Baumkrone versteckt, leuchtet es durch seine grellen Farben dem Betrachter entgegen.

Das Kraftwerk (Abb.2a und b) wurde – wie ein großes Modell – aus Styrodurplatten und einem flexiblen Rohr gebaut, das als Gebäudekomplex eines  Atomkraftwerks von einem Wurm durchbohrt wird.

Kraftwerk 2011 Styrodurplatten Schlaeuche Pressspanplatte Metallrohr Muelheim a.d. Ruhr Raffelbergpark 2a.jpgKraftwerk 2011 Styrodurplatten Schlaeuche Pressspanplatte Metallrohr Muelheim a.d. Ruhr Raffelbergpark 2b.jpg

Der Gegensatz zwischen Natur und umweltfeindlicher Technik wird durch Form und Farbe angedeutet, wobei sich die Natur alles „zurückholt“.

Schönheitswahn zeigt den abgemagerten Körper eines auf einer Luftmatratze liegenden Mädchens.

Das Objekt  soll auf einem Teich schwimmend positioniert werden.  Es spielt mit dem Motto des Parks: „Den Kranken zur Heilung, den Gesunden zum Vergnügen“.