Aktuelle Projekte

 

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Mit ihrem Kunstprojekt "Wer vergleicht, verliert!?" schaffte es der Kunst-Leistungskurs der Otto-Pankok-Schule bis in die Endauswahl des Wettbewerbs "Kinder-zum-Olymp" und erreichte nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen mit einem Gymnasium aus Kassel den zweiten Platz.

In ihrem Projekt beschäftigten sich die Schüler mit der Suche nach der eigenen Identität. Fragen wie "Wer bin ich?", "Was ist die Identität" bildeten die Grundlage für fotografische Arbeiten. Dabei unterstütze sie der künstlerisch arbeitende Fotograf Lubo Laco.Eine Ausstellung der entstandenen Bilder ist bereits geplant. Sie wird im Bismarckturm stattfinden. Die Ausstellungseröffnung ist für den 18.09.2009 festgesetzt.

 

 

Kooperationspartner:
Lubo Laco
Künstlerisch arbeitender Fotograf
Hingbergstr.338

45472 Mülheim an der Ruhr

0208/498137

 

Beteiligte Schüler:
24 Schülerinnen und Schüler des LK KU 12.2

 

Beteiligte Lehrkräfte:
Joachim Servatius, Kunst und Englisch

 

Stundenvolumen:
ca. 8 Std. im Herbst 2008 zwecks Themenfindung und diverser Vorüberlegungen
5 Wochenstunden ab Februar 2009 im Rahmen des Kunstunterrichts - Ende offen (spätestens zum Schuljahresende Juni 09)

 

Vorstellung und Kurzbeschreibung:

„Wer vergleicht, verliert!? Auf der Suche nach der eigenen Identität.“
Mit diesem komplexen Thema beschäftigen wir uns seit Herbst 2008, zunächst nur punktuell, dann seit Februar 2009 im Rahmen des Kunstunterrichts mit wöchentlich fünf Stunden.

Woran lässt sich die eigene Identität festmachen?
Woher weiß ich, wer ich bin?
Welche Rolle spielt die genetische Veranlagung, welches Gewicht haben Umwelt und Erziehung?
Was sind Identitätswerte?
Welchen Einfluss auf mein Selbstverständnis und meine Identität haben Vorbilder aus mei-nem unmittelbaren Umfeld und die von den Medien geschaffenen Idole?
Wohin mit unseren Sehnsüchten, Träumen und Glaubensätzen?

Fragen wie diese gingen uns durch den Kopf, nachdem wir uns ausführlich über das Thema ausgetauscht hatten.
In unserem Projekt möchten wir uns aber auch mit dem Statement beschäftigen: „Wer vergleicht, verliert?!“.

Verlieren wir, wenn wir uns mit unseren Mitmenschen vergleichen, oder erreichen wir da-durch mehr als wenn wir es nicht tun? Oder ist es die Einzigartigkeit, das (rebellische) Auf-lehnen gegen Verhaltensnormen, das zur Vervollkommnung des eigenen „Ichs“ führt? Und ist es dann nur ein unsichtbarer und innerer Gewinn, oder ist die Individualität das offensive Werkzeug zum Meistern des Lebens?

In weiteren Schritten wollen wir unserer Identität auf den Grund gehen, um Antworten auf die Fragen zu finden, die uns unser Projektthema stellt. Wir haben eine gemeinsame Vorgehensweise beschlossen, die am Ende mit fotografischen Mitteln unsere Ideen zu dem gestellten Thema visualisieren soll.

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Projektauslöser/Idee:

Nach den Sommerferien hat unser Lehrer den künstlerisch arbeitenden Fotografen Lubo Laco gefragt, ob er sich vorstellen kann, ein Fotoprojekt mit dem Leistungskurs Kunst zu machen. Die beiden kennen sich schon lange und haben in den vergangenen Jahren mehrere Projekte an der Otto-Pankok-Schule gemeinsam durchgeführt. Zuletzt haben sie mit dem vorherigen Leistungskurs Kunst beim Wettbewerb „Kinder zum Olymp“ die Endrunde erreicht, und anschließend war das Projekt „Von der Idee bis zur Präsentation“ im Mülheimer Kunstmuseum Alte Post wie auch im Düsseldorfer Landtag ausgestellt.

„Gerne, aber ich mache mir da meine Gedanken, was für ein Thema die jungen Menschen interessieren könnte – und mich selbstverständlich auch?“ Nach einigen Tagen kam Lubo Laco zu unserem Unterricht, um sich und die bei ihm zwischenzeitlich entstandene Idee vorzustellen. Unsere Gruppe stimmte dieser Idee spontan zu, seitdem arbeiten wirgemeinsam an diesem für uns hochinteressanten Thema.

 

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Projektentwicklung:
In der Startphase ging es zuerst um die inhaltliche Klärung des Projekts. Im Herbst hat sich unser Leistungskurs Kunst zu einem vierstündigen Workshop im Kunstmuseum „Alte Post“ getroffen, um sich vor dem Hintergrund einer ganzräumigen Ausstellung des Künstlers Daniele Buetti inspirieren zu lassen. Nach einem ersten Resümee zu der Frage „Was ist meine Identität?“ machten wir von jedem von uns ein Portraitfoto, bei dem die Fotografierten ein A4-Blatt vor ihren Oberkörper hielten, auf dem sie eine Auswahl der Dinge schlagwortartig festgehalten hatten, die sie in ihrem bisherigen Leben geprägt und beeinflusst haben.

Auf die Einzelfotos folgte eine Reihe von Gruppenaufnahmen, die uns sehr viel Spaß bereiteten. Wir stellten uns u.a. in einer Pfeilform auf und sprangen – auf Kommando – in die Luft. Ziel der Übung war, in der bewegten Gruppe eine Person aufzunehmen, die im Gegensatz zu den anderen weniger unscharf getroffen wurde. Diese Fotoreihe sollte die Problematik des „Herausstechens aus der Masse“ darstellen.

Anschließend machten wir Portraitaufnahmen, die jeden von uns zeigten, wie wir uns in einem Spiegel betrachteten. Diese Fotos könnte man auf das Thema „das innere und äußere Ich“ beziehen, wobei der Blick in den Spiegel die Frage aufwirft, ob die innere Identität die gleiche ist, die das Umfeld des Individuums sieht.

Nach dem Workshop fingen wir über die Weihnachtsferien mit einem „Tagebuch der persönlichen Erlebnisse“ an, in dem wir täglich festhielten, was uns in unserem Leben zum Nachdenken bewegt, beeinflusst, prägt. Dies war die Grundlage für das weitere Vorankommen im Projekt wie auch für unseren gemeinsamen Austausch in der Gruppe. Aus den durch die Tagebuchaufzeichnungen entstandenen Ideen entwickelten wir Ansätze für die nachfolgenden fotografischen Teamarbeiten. Dazu bildeten wir acht Dreier-Teams, die jeweils ein gemeinsames Thema entwickelten und fotografisch umsetzten.

Hier einige Beispiele für die Fotoserien, die von den Teams realisiert wurden:

„Neuer Mensch“
Bei der Geburt ist die Identität noch nicht vollständig, erst nach Verlassen des Mutterleibes beginnt die Identität zu einem Merkmal eines Menschen zu werden. Zu diesem Zeitpunkt besteht die Identität lediglich aus dem von anderen Menschen gewählten Namen und dem mehr oder weniger vom Zufall bestimmten Geburtsdatum.
Um diesen Gedanken bildlich darzustellen, haben wir uns entschieden, die „anfängliche Identität“ auf die Haut zu schreiben. Die Idee der Embryonalstellung war von Anfang an klar. Während des Fotografierens kamen uns immer neue Ideen, die natürlich sofort umgesetzt werden mussten. Die Badewanne wurde mit Wasser gefüllt und mit Lebensmittelfarbe eingefärbt. (vgl. Abb. 1)

„Rollenspiel(chen)“
Die Identität wurde schon von vielen Philosophen und Denkern thematisiert. Gerade in unserem Alter, an der Schwelle zum Erwachsenenleben, beschäftigen wir uns mit diesem nicht nur für uns wichtigen Aspekt unseres Lebens. Im Laufe der Diskussionen innerhalb des Kurses kristallisierte sich schnell heraus, dass wir uns auf keine eindeutige und allgemeine Definition von Identität einigen konnten. Also versuchten wir von verschiedenen Ansätzen aus an das Thema heranzugehen:
„Marionette“
Es gibt in unserer Gesellschaft niemanden, der nicht von anderen beeinflusst wird. Um die Abhängigkeit eines Menschen von äußeren Faktoren zu verdeutlichen, verkleideten wir uns so, dass der Eindruck von Marionetten entstand und befestigten uns an Fäden. Der Gesichtsausdruck sollte leer und puppenähnlich wirken.
„Exit“ (Leichenbilder und Fingerabdruck)
Als nächste Idee haben wir uns mit der inneren und äußeren Identität beschäftigt. Haben Leichen, also die bloßen Körper, auch noch eine Identität? Um die äußere Identität darzustellen, schminkten wir uns als Leichen und legten unseren Fingerabdruck daneben. (vgl. Abb. 5)

„Verschiedene Identitäten (Punk, Emo, Nutte, Streber, Gothic, Business)“
Heutzutage gibt es verschiedene „Stilgruppen“, die sich durch ein signifikantes äußeres Erscheinungsbild von der Norm absetzen. Doch wie sicher kann man sein, wer dieser Mensch in Wirklichkeit ist? In einer Fotoserie ahmten wir den Stil einiger dieser Gruppen nach. Der Betrachter kann sich die Frage stellen, welche nun die „wahre“ Identität der Person ist. (vgl. Abb. 2)

„Ursprung“ (Körper – Natur)
Wir haben durch unsere Projektarbeit versucht, die natürlichen Einflüsse der Umwelt auf unsere Identität darzustellen. Dazu wurde der direkte Vergleich zwischen dem menschlichen Körper und Teilen der Natur angestrebt.
Unbewusst wird die Identität natürlich jeden Tag durch kleine Eindrücke aus der Umwelt beeinflusst und geprägt. Die abgebildeten Körperteile stehen somit stellvertretend für die gesamte Identität des Menschen. (vgl. Abb. 4)

„Freundschaft“ (Identitätskarneval)
Masken sollen die äußere Identität eines Individuums symbolisieren. Da fast jeder Mensch Angst hat, seine wahre Identität preiszugeben und sich gewissermaßen nackt der Gesellschaft zu präsentieren, verkleidet er sich, legt eine Maske an, um sich zu schützen und nicht direkt erkannt zu werden. (vgl. Abb. 3)

„Portrait, Fingerprint, Gencode“
In unserer Gruppenarbeit geht es darum, einen Vergleich zwischen der biologischen Identität und der Persönlichkeit zu suchen. Die Suche im letzteren Punkt scheint ungemein schwieriger, denn wer sich auf die Suche nach seiner oder der Persönlichkeit Anderer macht, wird niemals so weit kommen wie der Biologe. Es ist bereits absehbar, dass sich das Erbgut des Menschen in naher Zukunft ganz entschlüsseln lässt, seine Herkunft nachvollziehbar wird. Doch die Persönlichkeit, die innere Identität scheint viel weniger greifbar. Niemand wird je genauso fühlen wie man selbst.


Jahresausstellung Mülheimer Künstler
Unsere Projektarbeit ist fortgesetzt worden im Januar 2009 mit dem Besuch der Jahresausstellung Mülheimer Künstler. In den Künstlergesprächen befragten wir die ausstellenden Künstlerinnen und Künstler zur Intention Ihrer Werke unter dem besonderen Blickwinkel unseres Projektthemas „Identität, Individualität, Authentizität“.


Begegnung der Generationen
Im Februar fand ein Gespräch mit einem 85jährigen ehemaligen Politiker und einer Medienvertreterin im mittleren Alter statt, bei dem wir die Vertreter dieser Generationen ausführlich dazu befragten, was sie in ihrer Jugend geprägt und beeinflusst hat. Die Journalistin hat uns Einblicke in die Rolle der Medien bei der Entstehung von Identitäten, beim gezielten Aufbau von Idolen ermöglicht.

 

Besonderheiten:
Auch wenn unser Projekt erst seit wenigen Wochen läuft, so zeigt sich doch schon, dass wir uns auf einige Besonderheiten einstellen müssen.
Schon die Auftaktveranstaltung im Museum – vier Stunden in einem großen Ausstellungsraum, in dem nur ein einziges Kunstwerk ausgestellt war – bot einem Erfahrungen, die man so schnell nicht vergisst. Die Aussicht, dass eine unserer Mitschülerinnen unser Projekt in der NRZ, einer unserer Lokalzeitungen, mit einem Blog begleiten wird, bedeutet für viele von uns, ebenso wie das Gespräch mit einem unserer früheren Bürgermeister und der stellvertretenden Chefredakteurin der o.a. Zeitung eine Form von Diskurs, den wir in dieser Form bisher nicht gewohnt sind.
Unsere Fotoarbeiten, die ja nur dann gelingen können, wenn wir etwas von unserem Innersten preisgeben und dieses sich in den Fotos wieder finden lässt, stellen eine Herausforderung dar, der wir uns stellen wollen. Auch dies eine Besonderheit, die den Rahmen des normalen Schulalltags sprengt!

 

Probleme und Lösungen:
Während unserer Arbeit in den Einzelgruppen hatten die meisten von uns anfangs noch Schwierigkeiten, mit dem Bildbearbeitungsprogramm „Adobe Photoshop“ umzugehen. Ohne ausreichende Kenntnisse konnten wir jedoch nicht unsere Fotos zum Thema „Identität“ bearbeiten. Glücklicherweise kannte sich eine Schülerin aus unserem Kurs schon ein wenig mit dem Programm aus und unterstützte uns – wie auch unsere Projektleiter – dabei, wenn wir Probleme hatten.

Abschließend lässt sich sagen, dass das Thema selbst, „Identität“, bildlich nicht leicht umzusetzen war, denn bei dieser Arbeit wurden wir selbst zum Thema. Wir mussten darüber nachdenken, was unsere eigenen Empfindungen und unsere persönliche Einstellung bezüglich „Identität“ überhaupt sind, und wir mussten uns einen Weg überlegen, unsere Gedanken zu visualisieren. Das bedeutete für uns, dass wir nicht nur viel Zeit für die Bearbeitung der Fotos und Schaffung der Präsentation unserer Arbeiten brauchten, sondern dass wir auch viel Zeit benötigten, um in uns selbst „reinzuhorchen“ und eine Antwort auf die Frage zu finden, was für uns persönlich Identität bedeutet.

 

Anekdotisches:
Nachdem ich Alex für unser Projektfoto optisch verändert hatte (durch eine neue Frisur und auffallend viel Make-up) rief ich meine Mutter, um ihr die „neue“ Alex zu präsentieren.
Meine Mutter stutzte und erkannte erst nach längerem Hinschauen, dass die blonde junge Frau, die vor ihr stand, keine Fremde, sondern meine langjährige Freundin Alex war.
Und als ob dieses Erlebnis nicht schon sonderbar genug war, nein, als wir im Kunstunterricht ein paar Wochen später unsere bearbeiteten Fotos vorstellten, hatten auch unsere Klassenkameraden Probleme, Alex zu erkennen. Es ging sogar soweit, dass Marie sich später zu unserem Tisch umdrehte und fragte: „Wer ist denn nun die Person auf dem Foto?“ Alex, Danela und ich dachten, dass sie scherzte und lächelten nur leicht, nahmen wir doch an, dass auch das wieder ein Witz war.
Doch es stellte sich heraus, dass Marie immer noch keine Ähnlichkeit zwischen Alex' Foto und der Person Alex gefunden hatte, erst nachdem wir es ihr erklärt hatten, viel es ihr auf und sie staunte nicht schlecht.

 

Erste Presseberichte erschienen in der WAZ, der Mülheimer Woche und der NRZ:

 

Mülheimer Woche, den 23.04.09

 

NRZ Mülheim, den 21.04.09