Begabungsförderung

LernzeitenDie “Lernzeiten” am Otto-Pankok gehen in die zweite Runde!

 

Sich im Unterricht mit einem eigenen Themengebiet zu beschäftigen, in seinem Thema zum Experten zu werden, jede Menge Wissen einzubringen und noch mehr zu erwerben, und dies auch noch ohne Notendruck und mit viel Spaß! Wo es das gibt? In den Lernzeiten an der Otto-Pankok-Schule!

 

 

 

Nach dem erfolgreichen Start des Unterrichtsprojektes “Lernzeiten” im letzten Schuljahr fand nun am 06.02.2015 der Auftakt für die Lernzeiten in den sechsten Klassen statt.

In den Lernzeiten erforschen die Schüler über ein halbes Schuljahr hinweg ihr ureigenes Interessengebiet und präsentieren ihre Forschungsarbeit als Experten am Ende des Halbjahres vor einem großen Publikum. Und dass sie das können, haben die Schüler bereits im letzten Jahr in herausragender Weise bewiesen! Dieses Jahr haben die Schüler als Forschungsthemen Astronomie, Computer, Flugzeug- und Raketenantriebe, Orcas und Dschungeltiere, Medizin, Wasser, das Great Barrier Reef, Kristalle, kreatives Schreiben, geschichtliche Themen zur Stadtgeschichte Mülheims, zur Antike und zur jüngsten Neuzeit sowie sportliche Themen wie Fußball und Longboard gewählt.

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Für die Eingangsreferate konnte die Otto-Pankok externe und interne Fachwissenschaftler gewinnen, die in vielfältiger und spannender Form die Schüler mit ersten Informationen über das jeweilige Thema versehen und gefesselt haben. An dieser Stelle danken wir sehr  herzlich den Referenten Stephan Breil (OP),  Ulrich Clemens (ev. Krankenhaus),  Dr. Kerstin Ternes und Jan Woudboer (Zoo Duisburg), Christa Schragmann (Haus Ruhrnatur), Tina Paulus (OP), Jost Schenck, Ulrich Langenecker (Fachschule für Luftfahrzeugführer/Flughafen Mülheim), Dr.Claudia Weidenthaler (Max-Planck-Institut Mülheim), Vanessa Westphal (OP),  Dr. Klaus Reichel und Hans-Werner Nierhaus (Historiker), Thomas Eschmann, Anna Kleyman, Julia Ehrt (alle OP), Johannes Michels und Annika Hanhard (Dipl.-Sportwissenschaftler Sportservice Mülheim), Dr. Heribert Lochthove (OP) sowie der Deutschen Gesellschaft für Kristallwachstum und Kristallzüchtung e.V./ Fraunhofer Institut, die in großzügiger Weise das Kristallprojekt mit einer Sachspende von 500€ unterstützt hat.

Lernpotenziale von Kindern und Jugendlichen entdecken und entfalten


Das Projekt Lernzeiten  an der Otto-Pankok-Schule:

  • Pilotprojekt der Lernzeiten in der Jgst. 5 und 6
  • Weiterführung der Lernzeiten in der Mittelstufe

 

1. Einleitung – Ziele des Projektes
Das Pilotprojekt Lernzeiten , das seit September 2013 (beginnend in Klasse 5) an der Otto-Pankok-Schule durchgeführt wird, erwuchs aus der Teilnahme am zweijäh-rigen landesweiten Projekt "Lernpotenziale. Individuell fördern im Gymnasium" (2012 – 2014), das vom Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen (MSW), der Stiftung Mercator GmbH in Essen und des Institutes für soziale Arbeit e.V. (ISA e.V.) in Münster als Träger der Serviceagentur "Ganztägig lernen in Nordrhein-Westfalen" (SAG) initiiert worden war und nun als „Lernpotenziale II" ab März 2015 in die zweite Runde geht. Die Otto-Pankok-Schule kooperiert im Rahmen des Projektes im „Netzwerk 2 Düsseldorf“ mit  weiteren Gymnasien des Regierungsbezirks. Die Ziele des Projektes Lernzeiten :

  • Soziales Lernen
  • Fähigkeit zur Gemeinschaft
  • Förderung des Selbstvertrauens
  • Strategien selbstregulierten, forschenden Lernens erlernen und fördern
  • Interessen entdecken und entfalten
  • Begabungen und Kompetenzen herausfordern
  • (Lern)Motivation steigern und erhalten

2. Inhaltliche Konzeption
Das Entwicklungsziel der Otto-Pankok Schule ist verstärkt auf das Kerngeschäft Unterricht gerichtet. Im Rahmen der Unterrichtsentwicklung an der Otto-Pankok-Schule dient das Projekt Lernzeiten als Impulsgeber entwickelten Unterrichts und Initiativprojekt zur Erarbeitung von Qualitätskriterien guten Unterrichts. Eine Evaluation aus Schüler- und Lehrkraftperspektive erfolgt nach jedem Halbjahr. Eine Elterninformation (z.B. im Rahmen eines Informationsabends oder einer Klassenpflegschaftsitzung) erfolgt jeweils zu Beginn des neuen Schuljahres.
Auf dem Weg zu einer guten und erfolgreichen Unterrichtskultur, die nach Hilbert Meyer einem Mischwald unterrichtlicher Ansätze gleicht und individualisierende, kooperative und instruierende Unterrichtsformen nebeneinander entstehen lässt, stellen die Lernzeiten die Interessen der SuS in den Mittelpunkt und fördern in ihrer Konzeption Strategien selbstregulierten und forschenden Lernens neben der Fähigkeit gemeinschaftlichen Handelns. Auf diese Weise wird der wachsenden Heterogenität und Individualität der SuS Rechnung getragen. Die Basis für ein erfolgreiches Lernen in Gruppen bildet ein auf Respekt und Freundlichkeit basierendes Miteinander an unserer Schule.
In der Jgst. 5.1 wird daher in den Lernzeiten der Schwerpunkt auf das Soziale Ler-nen gelegt. Die Entwicklung eines guten Klassenklimas, in dem sich die SuS wahrgenommen, akzeptiert  und wohl fühlen, ist das Ziel dieses ersten Halbjahres. Bewährte Konzepte, wie z.B. das Lions Quest Programm, Pädagogische Schulentwicklung nach Klippert und Kooperative Lernformen nach Norm Green dienen den Lehrkräften als "Steinbruch" für die inhaltliche Gestaltung der Lernzeiten, die zweistündig unter-richtet einen festen Platz in der Stundentafel haben. Die intensive Zusammenarbeit im Klassenleiterteam vermittelt den SuS zudem eine sichere Orientierung und stellt eine zielorientierte Vorgehensweise, die den Bedürfnissen der Lerngruppe und auch dem Aufbau tragfähiger Teamstrukturen dient, sicher. Die Klassenfahrt im Schulhalbjahr 5.1 steht in konzeptionellem Zusammenhang mit den Inhalten der Lernzeiten. Externe Experten, die ihren Schwerpunkt in der sozialen Bildung und hier in der Kompetenzentwicklung von Kindern und Jugendlichen verfolgen, entwickeln Wochenprogramme, die die Kooperationsfähigkeit in der Klasse durch vielfältige Arrangements fördern und durch erlebnispädagogische Aktionen in der Natur festigen.Der Schwerpunkt der Lernzeiten  in der Jgst. 5.2 liegt  auf der Förderung eines interessenorientierten, selbstregulierten und damit individualisierten Lernens der SuS. Den Schülerinnen und Schülern mit all ihren unterschiedlichen Begabungsformen und Begabungsstärken werden damit für sie selbst anspruchsvolle, sie herausfordernde und sie auch befriedigende Lernprozesse ermöglicht. Jede/r Schüler/in erhält über ein Schulhalbjahr jeweils zwei Stunden pro Woche den Freiraum, sich mit einem selbst gewählten Thema, welches nicht mit den Schulfächern assoziiert sein muss, intensiv auseinanderzusetzen. Die SuS entscheiden selbst, in welcher Sozialform sie aktiv werden möchten, ob in Einzel-, Partner- oder Kleingruppenarbeit. In der Wahl der Präsentationsform ihrer erarbeiteten Ergebnisse stehen ihnen impulsgebende Materialien in Form einer eigens im Rahmen der Konzeption zu den Lernzeiten entwickelten Methodenkiste mit einer Vielfalt an Produkten und Darstellungstechniken frei für eine Umsetzung zur Verfügung. Der konzipierte Lernzeiten-Reader, der jedem/r Schüler/in zu Beginn des Arbeitsprozesses ausgehändigt wird, begleitet als Leitfaden den "Weg zum Erfolg" und folgt in seinem Aufbau dem wissenschaftspropädeutischen Vorgehen. Ideenfindung, Informationsbeschaffung, Informationsverarbeitung und -präsentation sind wesentliche Schwerpunkte der Förderung. Klassenlei-terteams, Referendare und Praktikanten der Universität Duisburg-Essen (UDE) verändern ihre Rolle im unterrichtlichen Geschehen und werden zu Lernbegleitern für die SuS. Die Schülerinnen und Schüler führen eine Portfolio-Mappe, die Reflexionen und Affirmationen während des Arbeitsprozesses ermöglicht. In der Abschlusspräsen-tation stellen die SuS ihre Produkte der Schulöffentlichkeit vor und erlangen hierdurch Selbstbewusstsein und Anerkennung sowie Motivation für neue Themenstellungen. Die erlernte Planungskompetenz wird nachhaltig in der Jgst. 6.2 und in höheren Jahrgangsstufen z.B. im Rahmen der Facharbeit vertieft.
In der Jgst. 6.1 wird mit Blick auf den Entwicklungsstand der Schülerinnen und Schüler vertiefend das soziale Lernen mit den alternierenden Schwerpunkten "Kooperative Lernformen" und "Konfliktlösungsstrategien" in den Mittelpunkt gestellt.
Auch hier dienen wiederum bewährte Konzepte z.B. nach Norm Green, Lernspiralen nach Klippert und das Lions Quest Programm als "Steinbruch" für die Klassenleiterteams zur inhaltlichen Gestaltung. So führen z.B. ausgewählte Übungsarrangements in die Grundprinzipien (Think-Pair-Share) der Gruppenarbeit nach Norm Green ein. Simulationsspiele führen zu Regelbewusstsein und machen Rollen und Funktionsverteilungen (z.B. Gesprächsleiter, Zeitmanager etc. ) innerhalb einer Gruppenarbeit verständlich. Das Erlernen und Anwenden von Feedback Regeln ermöglicht eine Verbesserung der Zusammenarbeit im Team und fördert die Reflexionsfähigkeit in Gruppenarbeitsphasen. Das aktive Zuhören, das Spiegeln und die überlegte Botschaft sind beispielhafte Methoden zur Förderung des gegenseitigen Verständnisses und dienen präventiv der Konfliktbearbeitung.
Einer inneren Rhythmisierung folgend und im Sinne der Vertiefung und Förderung der Nachhaltigkeit steht in der Jgst. 6.2 für die SuS das individualisierte Lernen er-neut im Mittelpunkt. Klassenübergreifend finden sich die SuS der Jahrgangsstufe in Projektgruppen zusammen, die sich mit unterschiedlichen Themen aus verschiedenen Sachfeldern, z.B. Physik, Chemie, Biologie, Sport, Geschichte, beschäftigen. Begleitet werden diese Interessengruppen sowohl von externen Fachleuten, z.B. vom MPI, als auch von internen Experten in der Schule. Eine Auftakt- und Impulsveranstaltung zu Beginn des Halbjahres eröffnet den SuS in ihren Interessengruppen mögliche Aspekte und Herangehensweisen der Bearbeitung eines speziellen Themas. Im Arbeitsprozess stehen wiederum Klassenleiter, Fachlehrer und Praktikanten der UDE den SuS begleitend und beratend zur Seite. Die wissenschaftspropädeutische Vorgehensweise, visualisiert und erläutert im Lernzeiten-Reader, der den SuS aus der Jgst. 5.2 bekannt ist, wird hier vertieft und führt nachhaltig bei den SuS zu mehr Sicherheit und Selbstvertrauen in ihrer Planungskompetenz.

3. Die Lernzeiten im tabellarischen Überblick
Organisation der Lernzeiten  in Klasse 5 und 6 (s. Tabelle/Foto)

Lernzeiten  in Klasse 5 Tabelle neu 1

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

4. Finanzierung
Zukünftig werden die Lernzeiten, die zweistündig in der Stundentafel implementiert werden sollen, in der Jahrgangsstufe 5 über eine Unterrichtsstunde Politik und eine weitere Unterrichtsstunde aus dem Budget Ergänzungsstunden finanziert. In der Jahrgangsstufe 6 erfolgt die Finanzierung ausschließlich aus dem Budget der Ergänzungsstunden. Die Förderung der Kompetenzen auch leistungsschwacher Schülerinnen und Schüler in den Kernfächern Deutsch, Englisch, Mathematik sowie in den Naturwissenschaften ist in die Konzeption der Lernzeiten  integriert.

5. Evaluation des Pilotprojektes in der Jgst. 5 und 6
Die Evaluation des Projektes Lernzeiten wird nach jedem Halbjahr von den beteilig-ten Schülerinnen und Schülern als auch den beteiligten Lehrkräften durchgeführt. Die erzielten Evaluationsergebnisse werden in regelmäßigen Abständen den Gremien der Schulgemeinde und dem Lehrerkollegium präsentiert und dienen als Grundlage für optimierende Modifikationen des Lernzeiten-Konzeptes (360°-Analyse).
Die bisher durchgeführten Evaluationen ergaben eine hohe Akzeptanz des Projektes Lernzeiten bei den beteiligten Gruppen. Insgesamt wird die Zusammenarbeit zwischen den Schülerinnen und Schülern, den Lehrkräften, Referendaren und Studenten als förderlich empfunden. So unterstützen die Lernzeiten nach Einschätzung aller Beteiligten die Förderung sozialer Kompetenzen und können somit zu einer Verbesserung des Klassenklimas beitragen. Dabei verbindet sich der von allen empfundene Spaß an den Lernzeiten  mit dem erworbenen Wissens- und Kompetenzzuwachs zu einer spürbaren Förderung und Entwicklung von Leistungsbereitschaft und Motivation. Das Forder-Förder-Projekt der zweiten Halbjahre legt den Grundstein zum wissenschaftspropädeutischen Arbeiten und hat aus Sicht der Schülerinnen und Schüler sowie der beteiligten Lehrkräfte neben der Freude am selbstregulierten Lernen und Arbeiten, dem Erwerb von Lernstrategien und der Schulung der Teamfähigkeit einen Zuwachs an Kompetenzen, wie z.B. der Methoden- oder Präsentationskompetenz, eine insgesamt positive Selbsteinschätzung der erworbenen Fähigkeiten sowie eine auch in den übrigen Unterrichtsfächern erkennbare Nachhaltigkeit des Wissens- und Kompetenzerwerbs zur Folge.
Die Evaluationsergebnisse machen deutlich, dass das Projekt Lernzeiten der Heterogenität der Schülerinnen und Schüler in besonderem Maße gerecht wird. Es besteht Konsens darüber, dass es einen veränderten Blick auf die Schülerinnen und Schüler sowie in besonderem Maße die förderliche Berücksichtigung individueller Interessen und Kompetenzen ermöglicht. Aus Sicht aller Beteiligten ist das Projekt Lernzeiten bisher erfolgreich umgesetzt worden.

6.Konsequenzen aus der Evaluation
Die in der Erprobungsstufe begonnene Arbeit soll sukzessive in der Mittelstufe weitergeführt werden. Die Konzeption hierfür wird zeitnah erstellt. Eine Vernetzung der gewonnen Fertigkeiten und Fähigkeiten in den übrigen Fächern wird angestrebt (curriculare Anbindung).

7. Implementierung in Stundentafel und Schulprogramm
Die Lernzeiten  stellen sich als ein die Stundentafel bereichernder und die individuellen Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler fördernder Baustein sowie als Leit-bild entwickelten Unterrichts an der Otto-Pankok-Schule dar. Sie tragen der wachsenden Heterogenität der Schülerschaft Rechnung und fördern die Schülerinnen und Schüler in ihrer Selbstständigkeit und Selbstkompetenz. Hieraus ergibt sich die Forderung, die Lernzeiten  in der Sekundarstufe I in der Erprobungsstufe als festen und jeweils dem Entwicklungsstand und den Forder- und Förderbedürfnissen der Schülerinnen und Schüler angepassten Bestandteil der Stundentafel im Schulprogramm zu implementieren. Um die anspruchsvollen Ziele tatsächlich zu erreichen, ist eine durchgängige Zwei-Stündigkeit der Lernzeiten  sowie das kooperative Arbeiten im Klassenleiter-Team notwendige Voraussetzung.
Darüber hinaus ergibt sich die Konsequenz, die konzeptionelle Arbeit der Lernzeiten  auf der Grundlage der erreichten Förderung im Sozialen und individualisierten Lernen in der Erprobungsstufe auch in der Mittelstufe in den Jahrgangsstufen 7 bis 9 weiterzuführen.

Stand: 23.09.2015